Animated Audio Art

Ein Hörspiel-Workshop in den Ferien

Ein Projekt aus Bad Schwalbach

Im hessischen Bad Schwalbach setzte die Stadtjugendpflege Bad Schwalbach, das Diakonische Werk Rheingau-Taunus-Kreis gemeinsam mit dem Medienzentrum Bad Schwalbach sowie dem Rheingau-Taunus-Kreis Jugendbildungswerk den zweiwöchigen Ferienworkshop "Animated Audio Art" um.

Die teilnehmenden Jugendlichen waren im Alter zwischen 13 und 17 Jahren. Gemeinsam sollten sie in den Ferien kurze Hörspielfeatures von jeweils 3 bis 5 Minuten Länge mit passenden Visualisierungen produzieren.

Was ist Animated Audio Art?

Zunächst aber einmal musste die Frage geklärt werden "Was ist eigentlich Animated Audio Art"? Animated Audio Art ist ein Lehrmodul, das an der Filmuniversität "Konrad Wolf" Potsdam für den Studiengang Drehbuch/Dramaturgie entwickelt wurde. Studierende sollen so in die Welt des Hörspiels eingeführt werden und ein Gespür für auditives Erzählen und assoziative Bildgestaltung bekommen.

In den ersten Tagen beschäftigten sich die Jugendlichen mit der Thematik und lernten dabei einige Beispiele aus der Filmuniversität kennen, anhand derer Prof. Jens Becker Grundlagen des Erzählens, des Schreibens und der Dramaturgie vermittelte.

Sie begannen schließlich im gemeinsamen Gespräch und unter Anleitung eigene Ansätze für kurze Geschichten und erste Drehbuchskizzen zu entwickeln. Dabei wurden erste Gedanken schriftlich formuliert und in der Gruppe vorgestellt.

Das Unsichtbare erfahrbar machen

Die Jungen und Mädchen arbeiteten am Tablet mit einer Drehbuchsoftware, die in der Lage ist, automatisiert Storylines zu erkennen, Erzählbögen graphisch darzustellen und sogar dabei hilft, dramaturgische Schwachstellen zu entdecken. So mussten sie sich immer wieder mit ihrer Erzählung und deren Ablauf auseinandersetzen.

Beim erneuten Vorlesen schlüpften sie bereits in die Charaktere und konnten durch die verteilten Rollen ihre Erzählabsichten Schritt für Schritt immer klarer umsetzen. Dabei lernten die Teilnehmenden die Besonderheiten des auditiven Erzählens kennen. Im Hörspiel muss schließlich alles beschrieben werden, was der Zuhörer nicht sehen kann. Und Gefühle werden nicht nur über Text sondern auch über den Ton beziehungsweise die Stimmlage transportiert.

In der zweiten Wochenhälfte wurden schließlich feste Sprechrollen im Team verteilt und Überlegungen angestellt, welche Rollen im Freundes-, Bekannten- oder Familienkreis übernommen werden können. Für die Sound-Arbeiten wurden zusätzlich in der Nachbarschaft kurze atmosphärische Hörstücke aufgenommen, z.B. auf dem Schulhof, im Park oder bei Autofahrten.

Das abschließende Highlight der ersten Workshopwoche war ein Ausflug nach Frankfurt am Main. Dort besuchten sie den Hessischen Rundfunk sowie das Dialog-Museum. Darin befinden sich auch vollständig abgedunkelte Räume, durch die der Besucher von blinden Menschen geführt wird. Statt auf ihre Sehkraft mussten sich die Jugendlichen dort ganz auf ihr Gehör verlassen.

In die Rolle schlüpfen

Eine gute Übung für die Tonarbeiten, die in der zweiten Woche stattfanden. Beim Einsprechen der Rollen mussten sich die Teilnehmenden zunächst einmal an den Klang der eigenen Stimme und das Sprechen vor einem Mikrofon gewöhnen. Aber mit jedem Tag bekamen sie mehr Übung und nahmen schließlich erfolgreich die gesamten Dialoge auf. Anschließend wurden zusätzlich auf die Hörspiele abgestimmte Visualisierungen entwickelt.

Der letzte Tag des Workshops war der Bild-Ton-Montage vorbehalten. Mit Film- und Schnittprogrammen wurden die Tonspur, die Bildseiten sowie die Vor- und Abspänne zusammengefügt. Für den Feinschliff mussten die Jugendlichen, um das richtige Bild-Erzähltempo zu finden, die Effekte gezielt einsetzen und die geeignete Schrifttypen wählen.

Die Hörspiele sind über den Youtube-Channel der Stadtjugendpflege Bad Schwalbach verfügbar und wurden sogar im Kur-Stadt-Apotheken-Museum Bad Schwalbach in einer eigenen Ausstellung präsentiert.