Trickfilm Workshop

"Welche Richtung?"

Ein Flüchtlingsprojekt aus Frankfurt am Main

"Woher wir kommen, wohin wir gehen wollen", lauteten die zentralen Fragestellungen mit denen sich 15 Jugendliche mit Flucht- bzw. Migrationshintergrund im Rahmen des Workshops "Welche Richtung?" beschäftigt haben. Die teilnehmenden 13 Jungen und 2 Mädchen waren im Alter von 15 – 17 Jahren und kamen aus Afghanistan, Eritrea und Deutschland.

In dem mehrsprachigen Projekt gestalteten die Jugendlichen mit Hilfe von Sprache, Literatur und digitalen Medien ihre ganz persönlichen animierten Geschichten. Inspiriert von einer Graphic Novel, transportierten sie ihre eigenen Erlebnisse und Zukunftswünsche über das Medium Trickfilm.

Gemeinsam durchgeführt wurde der einwöchige Intensivworkshop in Frankfurt am Main durch die Zentrale Kinder- und Jugendbibliothek der Stadtbücherei Frankfurt am Main, das Jugendhaus Heideplatz und das Institut für Medienpädagogik und Kommunikation.

Der Geschichte eine Richtung geben

Ausgangspunkt für die selbstproduzierten Trickfilme war die Graphic Novel "Richtung" von Marc-Antoine Mathieu. Diese erzählt ganz ohne Worte, rein über die Bildsprache – mit Hilfe von richtungsweisenden Pfeilen – die Reise einer namenlosen Hauptfigur und bietet so viel Raum für freie Assoziationen.

Durch die aufgeworfenen Fragestellungen "Woher komme ich?" – "Wohin gehe ich?" – "Und welche Richtung möchte ich einschlagen" wurde der inhaltliche Grundstein für den Workshop gelegt. Die Teilnehmer konnten die Reise des Protagonisten mit ihrer eigenen Lebenswelt in Bezug setzen und so ihre persönliche Geschichte durch das Medium Film, auch über Sprachgrenzen hinweg, zum Ausdruck bringen.

Zu Beginn beschäftigten sich die Jugendlichen gemeinsam in der großen Gruppe mit der Graphic Novel, um sich anschließend Gedanken darüber zu machen, wie ihre persönlichen Geschichten im Trickfilmformat weitergeführt werden könnten. Die jeweiligen Herkunftssprachen wurden von bilingualen Betreuern des Jugendhauses übersetzt.

Die Geschichte in Bewegung setzen

Doch wie können die Ideen filmisch umgesetzt werden? Die Bibliothek wurde dafür einige Tage lang zum Filmset und beherbergte gleich mehrere "Miniatur-Trickfilmstudios" mit einer Auswahl an Requisiten und Material.

Gemeinsam mit erfahrenen Medienpädagogen entwickelten die Jugendlichen die Inhalte und ästhetische Form der Trickfilme. Ehrenamtliche Helfer und die Bibliothekspädagogin der Stadtbücherei unterstützten bei der Umsetzung der einzelnen Ideen.

Die zur Verfügung stehenden Apps wurden erklärt und ausprobiert, weitere Requisiten und Hintergrundbilder gezeichnet, fotografiert oder gefilmt und der Green Screen aufgebaut. Für wackelfreie Trickaufnahmen standen Tablets und Stative zur Verfügung. Mit Hilfe der unterschiedlichen Animations-Apps konnten Zeichnungen, Hintergrundbilder und Texte zum Leben erweckt werden. So sind spielerisch, mit einfachen technischen Mitteln Animationen entstanden.

Der eigenen Geschichte eine Stimme geben

Im Jugendhaus Heideplatz wurden schließlich die Tonaufnahmen für die Trickfilme gemacht. Neben den animierten Bildern ist der gesprochene Text ein entscheidendes Moment der Filme.

"Voice over"-Stimmen der Jugendlichen wurden mit einer Übersetzung unterlegt. Für die Aufnahmen interviewten sich die Jugendlichen gegenseitig und schlüpften so abwechselnd von der Rolle des Zuhörers in die des Erzählers.

Aus vielen Clips wird ein Film

Die einzelnen von den Jugendlichen produzierten, einminütigen Clips wurden am Schluss zu einem Trickfilm zusammenmontiert.

Doch was ist ein Film ohne Publikum? Gemeinsam planten die Jugendlichen eine öffentliche Präsentationsfeier im Jugendhaus Heideplatz für einen gelungenen Projektabschluss.

Alle Clips sind auf Youtube verfügbar.